Blutgerinnung nach INR statt nach Quick selbst messen

Ärztefortbildung zum modernen Blutgerinnungsmanagement in der Kirchberg-Klinik

Von Karl Heinz Bleß

Wenn bei herzkranken Menschen aus therapeutischen Gründen das Blut „verdünnt“ wird, die Gerinnungsfähigkeit also gehemmt wird, muss das kontrolliert werden. Viele Patienten, die beispielsweise eine künstliche Herzklappe haben, kontrollieren das selbst und bestimmen ihren INR-Wert. INR steht für International Normalized Ratio. Einige Ärzte messen aber noch den so genannten Quick-Wert, der mit dem INR-Wert des Patienten nicht vergleichbar ist.

Die Referenten des NachmittagsUm dieses Thema ging es im März 2006 bei einer Ärztefortbildung der Kirchberg-Klinik, zu der Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger seine Kolleginnen und Kollegen eingeladen hatte. Den Hauptvortrag hielt Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel, die anhand der Gerinnungsfaktoren im Blut erläuterte, wie das meist verordnete Medikament Marcumar wirkt. Von den rund 15 Faktoren, die für die Gerinnung des Blutes verantwortlich sind, beeinflusst das Medikament davon vier.

Damit die Gerinnung des Blutes genau in dem gewünschten Maße herabgesetzt wird, um einerseits Thrombosen zu verhindern, andererseits unerwünschte Blutungen zu vermeiden, muss die Gerinnung regelmäßig kontrolliert werden. Bis heute bestimmen viele Labors einen Wert nach einem Verfahren, das der amerikanischen Arzt A.J.Quick 1935 entwickelte, und wie es viele Ärzte im Studium auch gelernt haben. Der Nachteil des Verfahrens ist, dass die Messwerte sehr ungenau sind, weil sie von vielen äußeren Faktoren beeinflusst werden. CoaguChek XSVor allem ist es entscheidend, wie viel Zeit zwischen Blutentnahmen und Labormessung gegangen ist. Auch werden verschiedene Reagenzien benutzt. Weil beispielsweise die Werte von Labor zu Labor nicht zu vergleichen sind, sind wissenschaftliche Studien mit Quick-Werten nicht möglich.

Seit einigen Jahren gibt es die so genannten INR-Messwerte. Die Störfaktoren für die Bestimmung des Wertes sind viel geringer. Außerdem kann ein betroffener Patient diesen Wert mithilfe eines kleinen Gerätes selbst bestimmen, ähnlich wie es etwa Diabetiker zur Bestimmung des Blutzuckerwertes auch tun. Ein Blutstropfen wird auf einen Teststreifen gebracht und beides in ein kleines Geräte geschoben, das etwa die Größe eines modernen Handys hat. Nach wenigen Sekunden ist der Wert ablesbar. In der Kirchberg-Klinik, so berichtete die Referentin, habe man in den vergangenen elf Jahren sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

Gebrauchsanleitung

In einem kurzen Vortrag ging Chefarzt Dr. Knoglinger auf die Zielwerte ein, also wie stark die Gerinnung bei welchen Patienten herabgesetzt werden sollte, damit ein gutes Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko besteht. In den meisten Fällen ist ein INR-Wert zwischen 2 und 3 zu empfehlen, was eine Gerinnungsverzögerung um das Zwei- bis Dreifache, erläuterte er, wies aber auch auf Ausnahmen hin. Er schloss mit einem Appell an die Hausärzte, die Blutgerinnungshemmung nur noch nach INR zu bestimmen.


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