Keine Komplikationen bei Patienten
mit neuem Herzklappensystem

 

Joachim Hossfeld mit PD Dr. Wolfgang Harringer    Foto: AmmerpohlJoachim Hossfeld geht es gut. Der 71-Jährige steht in seinem Tapetengeschäft in Braunschweig und geht wieder ganz normal seiner Arbeit nach. Die Nachbehandlung in der Kirchberg-Klinik hat ihm offenbar gut getan.

Das Besondere bei Joachim Hossfeld: Er hat seit November eine künstliche Herzklappe, die weltweit zum ersten Mal nach einem besonderen Verfahren eingesetzt wurde. Die Herzklappe wurde nicht wie üblich in sein Herz eingenäht, sondern geklammert.

Dr. Wolfgang Harringer 2002 in der Kirchberg-KlinikDie Herz- und Gefäßchirurgie macht derzeit große Fortschritte. An der Entwicklung ist auch Privatdozent Dr. Wolfgang Harringer beteiligt, der Chefarzt für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie in Braunschweig. Der Braunschweiger Chirurg wagte als erster, einem Menschen eine Herzklappe mit millimeterkleinen Klammern ins Herz zu tackern anstatt anzunähen.

Vorher war dieses in Kalifornien entwickelte Verfahren (Arbor Trilogy Aortic Valve System) nur an Tieren und an Leichen getestet worden. Der Vorteil des neuen Verfahrens: Die kritische Operationsphase kann um die Hälfte auf eine Viertelstunde verkürzt werden. Das ist die Zeit, in der das Blut vorübergehend mit einer Herz-Lungen-Maschine durch den Körper gepumpt und der Patient künstlich beatmet wird, weil das offene Herz für den Eingriff stillgelegt wurde. Je länger diese Zeit andauert, desto belastender ist die Operation für den Patienten.

Der zweite Vorteil dieses Herzklappensystems ist, dass der Bewegungsablauf beim Öffnen und Schließen der Herzklappe dem natürlichen Ablauf näher kommt als bei derzeit verfügbaren eingenähten biologischen Herzklappen, erläuterte Chirurg Harringer in einem Presse­gespräch.

Dr. Harringer in der Kirchberg-Klinik im Gespräch mit Dr. Knoglinger (2002)Kurze Zeit nach der Operation kam der Braunschweiger Herzpatient Hossfeld routinemäßig zur Nachbehandlung in die Kirchberg-Klinik nach Bad Lauterberg. In diesen vier Wochen erholte er sich so gut, dass er zwei Tage nach seiner Entlassung schon wieder hinter dem Verkaufstresen seines Tapetengeschäftes stand. „Ich fühle mich gut, mir geht es sehr gut“, sagte er Anfang des Jahres, zwei Monate nach dem Eingriff, in einem Gespräch. In diesem Jahr wird er noch drei- bis viermal zur Untersuchung in die Braunschweiger Klinik gehen, wo per Ultraschall eine Kontrolle der Herzklappe vorgesehen ist, berichtete er. Vom kommenden Jahr an ist nur noch eine Kontrolluntersuchung pro Jahr vorgesehen.



(siehe auch: Aktuelle Aspekte der Herzchirurgie (Mai 2002)


zurück zum Themenverzeichnis

zurück zum Stichwortverzeichnis