Mittelmeerkost – die gesündeste Ernährung?

Was ist von der Atkins-Diät und "low carb" zu halten?

Von Dr. Ernst Knoglinger

Im Frühjahr haben sie wieder Hochkonjunktur – die Schlankheits-Diäten, die einem die Idealfigur ohne Hungern versprechen. Kaum eine Zeitschrift, die dieses Thema ausspart.

Aber gibt es wirklich jedes Jahr neue Erkenntnisse zum Thema gesunde Ernährung? Sicherlich nicht, denn es gab von jeher eine Vielzahl von Möglichkeiten, rasch ein paar Pfunde abzunehmen. Von der Null-Diät über FdH bis hin zu den verschiedensten Spezial-Diäten, die in leichter Abwandlung alle Jahre wieder populär werden. Alle haben ein Problem: wenn die Diät zu Ende ist, kommen die Pfunde rasch wieder (so genannter Jojo-Effekt) und oft ist nach ein paar Monaten das Gewicht höher als vor der Diät.

Beim Einkaufen an viel Gemüse denken!Fettarm für den langfristigen Erfolg

Erfolg versprechender ist eine Umstellung der Ernährung, die man dauerhaft beibehalten kann, auch wenn die Anfangserfolge damit weniger spektakulär sind. Für alle Diäten gilt, dass der Körper gespeicherte Reserven wie Fett und andere Speichersubstanzen abbauen muss, wenn weniger Energie mit der Nahrung zugeführt wird als der Körper verbraucht. An diesem Naturgesetz lässt sich nichts ändern. Eine Diät ist umso erfolgreicher, je besser es ihr gelingt, den Körper so zu überlisten, dass er dabei dennoch satt und zufrieden ist. Deshalb hat es sich bewährt, vor allem auf Fett zu verzichten – denn ein Gramm reines Fett enthält mehr als doppelt soviel Energie wie ein Gramm reiner Zucker oder ein Gramm Eiweiß. Fett macht fett – ein eingängiger Slogan, der viel Wahres enthält.

Neues zur „Atkins-Diät“

Weil Abnehmen so schwierig ist, erregen Außenseitermethoden immer wieder viel Aufsehen. So wurde in den letzten Jahren wieder die Frage aufgeworfen, ob nicht anstelle des Fettes die Zuckerstoffe (Kohlenhydrate) stärker beschränkt werden sollten. Diesen Weg hatte bereits Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts der amerikanische Kardiologe Dr. Robert Atkins vorgeschlagen. Wegen des hohen Gehalts an schädlichen Fetten war die „Atkins-Diät“ aber in Fachkreisen auf breite Ablehnung gestoßen. Sein Kollege Dr. Arthur Agatston hat dieses Grundprinzip kürzlich wieder aufgegriffen und mit seinem Buch „Die South Beach Diät“, das im Jahr 2003 in Amerika erschienen ist, eine neue "low carb"- Welle ausgelöst. Low carb heißt auf Deutsch wenig Kohlenhydrate – der Begriff wurde rasch zu einem Schlagwort, das die Nahrungsmittelindustrie vermarktet hat. Mit Low-carb-Produkten wird in Amerika bereits viel Geld verdient – auch von Dr. Agatston. Seine South-Beach-Diät beinhaltet aber mehr als nur eine Beschränkung der Zuckerstoffe. Er unterscheidet zwischen schädlichen Zuckern, die rasch ins Blut übergehen (z. B. reiner Zucker, Kohlenhydrate in Weißbrot – aber auch Zucker in frischem Obst) und  weniger schädlichen Zuckern, die nur langsam ins Blut übertreten. Die South-Beach-Diät unterscheidet aber auch zwischen schädlichen (ungesättigten) Fetten und unschädlichen (mehrfach ungesättigten) Fetten. Befolgt man die Diät genau, so wird auch schädliches Fett gemieden und es ergibt sich eine durchaus vernünftige Ernährung – mit Ausnahme des zu strengen Verbots von Kartoffeln und frischem Obst.

So urteilen Ernährungs-Experten

Die überwiegende Anzahl deutscher und internationaler Experten ist nicht der Ansicht, dass die Atkins-Diät oder ihre neuere Variante, die South Beach Diät, Vorzüge im Vergleich zur fettarmen Ernährung hat. Eine vollwertige Ernährung hat schon seit jeher berücksichtigt, dass reiner Zucker ungesund ist und das zum Beispiel weißes Mehl ungesünder ist als ein Vollkornprodukt. Zwar zeigte eine seriöse wissenschaftliche Vergleichsstudie, dass nach sechs Monaten Atkins-Diät die Gewichtsabnahme ähnlich wie unter fettarmer Ernährung verlief. Es liegen aber keinerlei Langzeit-Ergebnisse für den Nachweis einer dauerhaften Gewichtsabnahme vor – und gerade darauf käme es an. Die fettarme Ernährung, wie wir sie verstehen, ist eigentlich eine fettmodifizierte („fettveränderte“) Kost, die nicht nur die Menge, sondern auch die Beschaffenheit der Fette (tierisch – pflanzlich, gesättigt – ungesättigt) berücksichtigt. Weil dies der Ernährung in den Mittelmeerländern ähnelt, wird sie auch als "Mittelmeerkost" bezeichnet. Für die Mittelmeerkost ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie nicht nur zu einer Gewichtsabnahme, sondern vor allem zu einer Abnahme von Herzinfarkten und Herz-Todesfällen um bis über 50 Prozent führt. Derartige Nachweise liegen für keine Atkins-Diät oder "low carb" Ernährung vor. Deshalb schließen wir uns in der Kirchberg-Klinik der Expertenmeinung an und empfehlen in den meisten Fällen die fettmodifizierte Mittelmeerkost.

Das sollten Sie sich merken:
Das Körpergewicht ist immer abhängig vom Verhältnis aus Energiezufuhr mit der Nahrung und Energieverbrauch des Körpers.
  • Es gibt viele Wege, für kurze Zeit Gewicht abzunehmen – für die Gesundheit entscheidend ist immer der langfristige (dauerhafte) Erfolg.
  • Fettarme Ernährung schränkt den Nahrungsbestandteil mit dem höchsten Energiegehalt ein und bietet daher die besten Voraussetzungen für einen langfristigen Erfolg.
  • Fettarme Ernährung (Mittelmeerkost) konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen das Risiko für Herzinfarkt und Herztodesfälle um über 50 Prozent verringern.
  • Mit der zurzeit gelegentlich propagierten kohlenhydratarmen („low carb“, „Atkins-“ oder „South Beach-“) Diät gelingt eine ähnliche Gewichtsabnahme wie mit fettarmer Ernährung. Es fehlen aber wissenschaftliche Belege für langfristigen Erfolg und Risikoverminderung für Herzkrankheiten.
  • Die weitaus meisten Experten halten eine fettarme Mittelmeerkost, wie wir sie in der Kirchberg-Klinik vertreten, für die beste Form der gesunden Ernährung in der Vorsorge und Behandlung von Herzerkrankungen.


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