Über Fieber, Marcumar, Biofilm und Bakterien

600 Marcumar-Anwender erfuhren mehr über ihre Therapie

Von Karl Heinz Bleß

Professor Wilfried BautschUm Herzklappenpatienten die Behandlung der so gefürchteten Endokarditis näher zu erklären, hat Professor Dr. Dr. Wilfried Bautsch aus Braunschweig beim Patiententreffen der Kirchberg-Klinik am 22. September 2007 sehr anschaulich aus seinem Forschungsgebiet berichtet. Mit Endokarditis bezeichnet man eine meistens durch Bakterien verursachte Herzklappenentzündung. Das wichtigste Symptom ist Fieber.

Bakterien benötigen für ihre Entwicklung eine dünne feuchte Schicht mit den für sie nötigen Nährstoffen, einen so genannten Biofilm. Haben sie sich einmal darauf festgesetzt, vermehren sie sich sehr schnell. Solche Biofilme können sich leicht an Kathetern, Implantaten oder künstlichen Herzklappen bilden, erklärte Professor Bautsch. Ob sie sich bilden, hänge von vielen Faktoren ab. Das Material spiele dabei eine große Rolle, so der Wissenschaftler.

Verschiedene Bakterien gelten als Endokarditis-Erreger. Um sie gezielt mit einem Antibiotikum bekämpfen zu können, muss man zunächst das Bakterium identifizieren. Dazu entnimmt man Blut beim erkrankten Patienten und gibt es auf eine Nährbouillon. Im Labor entwickelt sich dann innerhalb von ein bis 21 Tagen eine Bakterienkultur, die man sehen und deren Struktur unter einem Mikroskop erkennen kann. Wenn man nun verschiedene Antibiotika an verschiedene Stellen der Kultur gibt, erkennt man, welches Antibiotikum wirkt und gegen welches die Bakterien resistent sind. Daraus kann ein Mediziner nun das wirksamste Medikament für die Therapie ableiten.

Wechselwirkungen von Antibiotika und Marcumar

In einem weiteren Vortrag erläuterte Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel die Wechselwirkungen von Antibiotika und Marcumar. Marcumar ist ein Medikament zur Blutverdünnung für Herzklappenpatienten, welches sie ein Leben lang einnehmen müssen, um Thrombosen an der mechanischen Herzklappe vorzubeugen. Der Marcumar-Bedarf kann nach der Einnahme eine Antibiotikums sinken, erläuterte sie. Denn der größte Teil des Marcumars bindet sich an Plasmaeiweiß und ist damit wirkungslos. Nur der Rest von etwa zwei Prozent bleibt frei und wirkt gerinnungshemmend. Da sich Antibiotika ebenfalls an das Plasmaeiweiß binden, bleibt mehr freies und damit wirksames Marcumar im Blut, sodass der Bedarf sinkt.

Allerdings, so die Referentin, müsse man bedenken, dass Menschen mit Fieber weniger essen, bei Durchfall auch das für Marcumar-Patienten so wichtige Vitamin K ausgeschieden wird. Darum müsse der Gerinnungswert des Blutes öfter als normal kontrolliert werden und die Marcumardosis angepasst werden, damit der Zielwert erreicht wird. Etwa drei Tage nach der Antibiotika-Therapie, die bei Endokarditis bis zu sechs Wochen dauern kann, sei der Marcumar-Bedarf in der Regel so wie vor der Therapie.

Vor Veranstaltungsbeginn


(siehe auch: Die Krankheit bekämpfen – nicht das Fieber)


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