Vorhofflimmern bei Herzkranken mit Diabetes
Ärztefortbildung in der Kirchberg-Klinik – Schlaganfallrisiko senken

Von Karl Heinz Bleß

Wenn ein Herz durch Vorhofflimmern aus dem Takt gerät, kann das ein Alarmzeichen für einen drohenden Schlaganfall sein. Denn es besteht die Gefahr, dass sich Thrombosen bilden, weil der Blutstrom stockt. Zu einem Schlaganfall kommt es dann, wenn solche kleinen Blutgerinnsel eine Ader im Kopf verstopfen

Um einer solchen unerwünschten Blutgerinnung vorzubeugen, verordnen Ärzte den betroffenen Patienten in der Regel Gerinnungshemmer. Hat ein Patient zusätzlich zu den Herz-Kreislauf-Beschwerden Diabetes mellitus, wird die Sache komplizierter. Wie reagieren Diabetiker auf Blutgerinnungshemmer? Dieser Frage gingen Professor Dr. Michael Nauck vom Diabeteszentrum und Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel von der Kirchberg-Klinik bei einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte nach, zu der Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger in die Kirchberg-Klinik eingeladen hatte.

Professor Michael NauckDie Blutgerinnung ist bei Menschen mit erhöhten Blutzuckerwerten erhöht, erläuterte Professor Nauck anhand von Studien. Auf die leicht gerinnungshemmende Wirkung von ASS etwa in Aspirin oder Clopidogrel reagieren manche nur vermindert. Deshalb muss in der Therapie auch auf stärkere Gerinnungshemmer gesetzt werden.

Deutlich sprach sich der Referent für eine Diabetesprävention aus. Ein „vernünftiger Lebensstil“, viel Bewegung und gesunde Ernährung, bei der nur 30 Prozent der Kalorien Fett enthalten sowie eine Gewichtsreduzierung verringerten nicht nur das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern reduzierten auch die Neigung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dr. Barbara Bialucha-Nebel erörterte die Frage, wann und wie man ein Vorhofflimmern bei Diabetikern mit Gerinnungshemmern behandeln sollte. Nachdem die Referentin die verschiedenen Arten des Vorhofflimmerns erklärt hatte, stellte sie den „CHADS2“-Score vor, einen Entscheidungskatalog, der sich am Schlaganfallrisiko des Patienten orientiert. Da spielen Herzerkrankungen, Bluthochdruck, das Alter und der Diabetes eine Rolle. Am gewichtigsten ist ein schon erlittener Schlaganfall.

Bei der Einstellung des Blutgerinnungswertes ist der genaue Wert nicht so wichtig wie die stabile Einstellung, erläuterte sie. Deshalb empfehlen die Ärzte der Kirchberg-Klinik möglichst ein Selbstmanagement für die Blutgerinnung. Dabei kontrollieren die Patienten ihren Gerinnungswert selbst und erhöhen oder verringern entsprechend die Medikamentendosis. Da Diabetiker für ihren Blutzuckerwert ohnehin in der Regel Selbstkontrollierer seien, biete sich für Patienten mit gleichzeitigem Vorhofflimmern das Selbstmanagement für die Blutgerinnung besonders an.

Ernst Knoglinger, Barbara Bialucha-Nebel, Michael Nauck


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