
Von
Karl Heinz Bleß
Vier Fachärzte der Kirchberg-Klinik haben im November 2000 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung über die oft unterschätzte chronische Herzschwäche informiert. Bei den vier Kurzvorträgen kamen auch Ratschläge für Betroffene, wie sie ihrem Herzen selbst helfen können, zur Sprache.
Nachdem Oberarzt Dr. Karsten Gericke das Phänomen und die Ursachen für die Herzschwäche, an der in Deutschland jährlich rund 90.000 Menschen sterben, informiert hatte, erläuterte Dr. Gabriele Möller über Beschwerden, die Betroffene ernst nehmen müssen. Dr. Barbara Bialucha gab praktische Tipps, was jeder Betroffene selbst tun kann, damit er besser mit seinem Leiden leben kann. Schließlich stellte Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger medikamentöse und chirurgische Therapien vor. Vor der Veranstaltung und in der Pause hatten die Zuhörer Gelegenheit, sich kostenlos auf Symptome einer beginnenden Herzschwäche checken zu lassen.
"Was passiert, wenn die Kraftmaschine Herz zum schwachen Organ wird?" fragte Dr. Gericke zu Beginn seines Vortrages. Es sei nicht das Alter, wies er eine weitverbreitete Meinung zurück, sondern in der Regel handele es sich um eine Folge einer Vorerkrankung. Das könne ein Bluthochdruck, ein Herzinfarkt, eine Herzmuskelerkrankung, ein Herzklappenfehler oder selten auch eine Stoffwechselerkrankung sein. Dann nehme die Pumpkraft des Herzens so weit ab, dass nicht mehr genügend Blut zu den Organen fließe.
Ursache der Herzschwäche kann eine Überdehnung der Herzkammer, eine Verdickung der Herzwand, ein Elastizitätsverlust der Herzwand oder auch ein höherer Widerstand durch Verengung der Gefäße sein.
Luftnot bei Belastung, später auch in Ruhe, Luftnot beim flachen Liegen, blaue Lippen und häufiges Wasserlassen in der Nacht deutet auf eine Schwäche der linken Herzkammer hin, referierte Oberärztin Frau Dr. Möller. Das führe zu verringerter Leistungsfähigkeit, zu Gedächnisstörungen, schnelle Atmung und schnellem Puls, Herzrhythmusstörungen und als Notfall Wasser in der Lunge.
Ohne Behandlung
hätten
diese Erkrankungen gefährliche Folgen für die
Betroffenen. Lungenödem,
schwere Herzrhythmusstörungen, Gerinnselbildung und
Lungenentzündung
nannte die Oberärztin als mögliche Folgen. Sie riet
Betroffenen,
sich von einem Arzt untersuchen zu lassen, der beispielsweise mit einem
EKG, einer Herzultraschall-Untersuchung oder mit Röntgen-aufnahmen
einem Verdacht nachgehen könne.


Die Selbstbeobachtung
ist für Herzkranke ohnehin eine wichtige Aufgabe, stellte
Oberärztin
Frau Dr. Bialucha heraus. Sie riet, den Wasserhaushalt des Körpers
zu regeln, indem man sich beim Kochen mit wenig Salz
begnüge, nicht zuviel trinke und vor allem seine Medikamente nicht
vergesse. "Bevorzugen Sie ausscheidungs-fördernde Nahrungsmittel"
sagte sie. So wirke Reis
"treibend", ebenso Artischocken, Auberginen, Lauch, Spinat, Spargel,
Sellerie,
Mais und Tomaten. Bei Kohl, Bohnen und Zwiebeln müsse man wegen
der
Gefahr der Blähungen
vorsichtig sein, gab sie weiter zu bedenken. Auch Obst fördere die
Gesundheit des Herzens. Bei allem sollte man ein normales
Körpergewicht
anstreben und lieber mehrere kleine Portionen essen als einmal
große.
Das Rauchen und größere Mengen Alkohol "ärgern" das Herz. Gerade das sollte man vermeiden. Dagegen müsse man heute nicht mehr jede körperliche Anstrengung vermeiden. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sei richtig dosierte Bewegung sogar nützlich, um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten oder wieder zu verbessern. Schließlich riet sie noch zu zwei täglichen Ruhepausen, bei denen man die Beine hoch legt, um sich und damit das Herz zu erholen.
Chefarzt Dr. Knoglinger stellte am Ende des Abends einige Behandlungsmöglichkeiten bei der chronischen Herzschwäche vor. Bei Medikamenten müsse man den Nutzen und die Risiken abwägen, gab er zu bedenken. So könne man medikamentös die Schlagkraft des Herzens stärken, das Herz entlasten, indem man die Blutgefäße erweitert – und um die Energie des Herzens zu schonen, die Schlagzahl herabsetzen.
Der Kardiologe sprach sich in der Behandlung für einen Stufenplan aus: zuerst ACE-Hemmer, um die Gefäße zu erweitern, dann als zweites die Entwässerung und als dritte Stufe Beta-Blocker. Dazu könne man Nitropräparate verordnen und Digitalis. "Die Kombination muss maßgeschneidert sein. Die Einstellung kann Wochen oder sogar Monate dauern", sagte der Chefarzt.
Wenn alles nicht mehr
hilft,
dann stehe in der Liste der Behandlungsmöglichkeiten noch die Operation,
die aber immer ein Risiko bedeute, da es sich ja um herzkranke Menschen
handelt. "Handwerklich nicht sehr schwierig" sei heute eine Herztransplantation,
allerdings fehlten hier die Spenderorgane. Als Alternative stellte er
die
Einpflanzung einer künstlichen Pumpe vor, die aber bisher nicht
für
den Einsatz auf Dauer geeignet sei. Erste Erfahrungen gibt es in Berlin
auch mit einem Kunststoffstrumpf, den man zur Stützung des
Herzmuskels
um das Herz maßschneidert, um so einer Herzerweiterung zu
begegnen.
Auch gebe es Versuche, ein vergrößertes Herz durch einen
"Abnäher"
operativ zu verkleinern. Und schließlich: Zum Synchronisieren der
Herzwände kann in manchen Fällen ein 2- oder 3-Kammer-Schrittmacher
angebracht sein, bei dem nur ein kleiner Eingriff nötig ist.
siehe auch: Herzinsuffizienz – Neue Erkenntnisse bringen Fortschritt in der Therapie
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