
Die
körperliche Belastung für Herz und Kreislauf beim aktiven Sexualleben
ist mit alltäglichen Belastungen wie dem Treppensteigen vergleichbar,
sagte Dr. Konrad Meyne, Chefarzt der Inneren Abteilung des Städtischen
Krankenhauses Seesen als Gastreferent beim Patiententreffen für Herzkranke
der Kirchberg-Klinik Bad Lauterberg. Zum Treffen am vergangenen Samstag
waren rund 400 ehemalige Patienten der Kirchberg-Klinik ins Kurhaus gekommen.
Die Angst vor Komplikationen
kann aber für herzkranke Menschen zum psychologischen Problem werden,
führte Meyne weiter aus. Das Lustgefühl
könne
dadurch gestört werden, ebenso die Erektions- oder Orgasmusphase oder
einfach das Wohlbefinden beim Geschlechtsverkehr. Die Angst sei aber in
den meisten Fällen unbegründet, denn der gefürchtete plötzliche
Herztod trete im Straßenverkehr oder bei der Arbeit deutlich
häufiger ein als beim Sex. Hier trete er mit 0,2 bis 0,6 Prozent der
Todesfälle „äußerst selten“ ein.
Bei Störungen des Sexuallebens
sollten die Partner miteinander darüber sprechen und auch ihren Hausarzt
mit einbeziehen, riet der Seesener Chefarzt. Außerdem müsse
die Herzkrankheit medikamentös behandelt werden und der Erkrankte
sollte die bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, fettreiches Essen und
Bewegungsmangel unbedingt meiden. Schließlich könne eine erektile
Störung des Mannes beispielsweise mit dem Medikament
Viagra in vielen Fällen behandelt werden. Das potenzsteigernde Medikament
biete keine erhöhtes Risiko, wenn nicht gleichzeitig Nitrate
(Nitratspray) eingenommen werden.
In
einem weiteren Referat erläuterte Oberarzt Dr. Karsten Gericke
von der Kirchberg-Klinik, wie wichtig die Bewegungstherapie
für Herzkranke ist, denn sie sorge dafür, dass Herz und Lunge
besser zusammen arbeiten. Dringend empfahl er allen Betroffenen, sich einer
koronaren
Herzgruppe anzuschließen. Denn dort erlerne man leichten Bewegungssport,
der nicht nur das Wohlbefinden steigere, sondern nachweisbar auch die Lebenserwartung
erhöhe. Die in der Herzgruppe erlernten
Trainingsmethoden sollten die Herzkranken auch zu Hause regelmäßig
einüben, denn die Bewegungstherapie helfe nur, wenn sie mindestens
zwei- bis dreimal in der Woche praktiziert werde. Gleichzeitig warnte der
Oberarzt davor, es mit dem Sport zu übertreiben. Überanstrengung
sei wiederum schädlich. Als nützliche Beispiele nannte er eine
halbe Stunde rasches Gehen oder Fahrrad fahren, das Schwimmen, Heimwerken
oder im Sommer die Gartenarbeit.
Dr.
Konrad Felten, Leitender Arzt der Klinik für Herz-, Thorax- und
Gefäßchirurgie in Braunschweig, ging auf die Möglichkeiten
und Grenzen eine zweiten
Herzoperation ein. „Grundsätzlich ist eine zweite Operation
immer möglich“, sagte er. Je länger die erste Herzoperation her
sei, desto leichter sei für den Chirurgen der Eingriff. Gründe
für eine zweite Operation seien beispielsweise, dass das Herzleiden
weiter fortschreite oder ein Defekt an der künstlichen Herzklappe
auftrete.
Die Befürchtung, dass ein Bypass nicht lange genug helfe, weil er sich zusetze, sei meistens unbegründet. Nur wenn der Patient wirklich Beschwerden habe, sei eine Zeitoperation in Erwägung zu ziehen. In vielen Fällen sei auch mit Medikamenten oder mit einem Herzkatheter dem Patienten zu helfen. Wichtig sei, dass der Herzpatient selbst etwas für seine Gesundheit tue und beispielsweise seine Lebensverhältnisse nach der Herzoperation umstelle und alle Risikofaktoren vermeide.
Zu
Beginn der Veranstaltung hatte Dr. Ernst Knoglinger, Chefarzt der
Kirchberg-Klinik, über die Entwicklung der Bad Lauterberger Privatklinik
in den vergangenen zwei Jahren informiert. 5000 Herzpatienten waren inzwischen
zur Nachbehandlung in der Kirchberg-Klinik. Die hohe Patientenzahl habe
bauliche und personelle Erweiterungen mit sich gebracht. Auch sei ein professionelles
Qualitätsmanagement eingeführt worden und der hohe Qualitätsstandard
durch diverse Zertifikate untermauert.
Der Chefarzt ging auch auf
die Frage ein, was man durch Behandlung bei Herzerkrankten erreichen kann.
So sinke das Risiko durch ein Medikament wie
Aspirin (ASS) etwa um 20 Prozent, durch Cholesterinsenker um rund 35 Prozent
und durch Betablocker nach einem Herzinfarkt um rund 20 Prozent. Doch auch
das regelmäßige körperliche Training vermindere das Risiko
bei Herzpatienten um 20 Prozent. Um ganze 50 Prozent sei das Risiko zu
senken, wenn Herzpatienten das Rauchen aufgeben.
(s. auch Herzschwäche und Sexualität: Ist das ein Problem?)
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